Editorial
High Noon
High Noon
Es wurmt mich, dass alle bei PC-Problemen meinen Kumpel Franz um Rat fragen und keiner mich. Zugegeben, er ist ein wahrer Zauberer, und aus seinem Notfallkoffer zieht er vom langen Netzwerk- oder abgewinkelten Stromkabel über Adapter für die Amerika-Rundreise bis zum Smartphone-Ladegerät immer genau das Passende.
Doch als die pfeilschnelle Super-Schnittstelle USB 3.0 angekündigt wurde, witterte ich meine Chance, denn Franz steht solchen Neuerungen immer skeptisch gegenüber. Ich dagegen kenne mittlerweile alle einschlägigen Dealer und habe in monatelanger Fußarbeit ein beachtliches Arsenal zusammengetragen. Und ich meine damit nicht diese schäbigen blauen Strippen, die doch eh immer viel zu kurz sind, sondern Edelkabel mit vergoldeten Steckern, echte Raritäten und geniale Multifunktionsverbinder.
Mein Superspeed-Extension-Pack reicht von der externen Festplatte im Arbeitszimmer bis zum Laptop im Garten. Das Teleskopkabel zum Ausrollen passt in die Hosentasche und dank Um-die-Ecke-Adapter ragen die teuren USB-3.0-Sticks nun für jedermann sichtbar empor. Doch all das verblasst gegen meine Wunderwaffe: einen Adapter von USB-Stecker auf Lüsterklemme, wie geschaffen für gekonnte Improvisationen. Das glauben Sie mir nicht? Na dann werfen Sie mal einen Blick auf meine Sammlung ab Seite 113 in c't 13/12.
Der Tag des Showdowns mit Franz begann mit dem Verlegen Dutzender USB-Verlängerungskabel und Hubs, gefolgt vom Einbau ein paar zusätzlicher Superspeed-Controller. Kurz vor High Noon erfuhren die Windows-Turbo-Treiber noch ein letztes Update. Dann endlich klingelte es, Franz kam herein und entdeckte tatsächlich sofort einen der zwei Dutzend neonorangen und an strategisch günstigen Stellen deponierten Supersticks. Während ich meine neue USB-3.0-Heiminstallation zum automatischen Foto-Upload anpries, passierte ...
... nichts! Anscheinend hatten sich USB-Treiber, Host und Device verhaspelt oder gar nicht erst erkannt. Um abzulenken, kam ich auf das Wetter zu sprechen, aber Franz hatte bereits Lunte gerochen. Fluchend und schimpfend stürzte er sich auf meine liebevoll an die Wand genagelten Kabelbäume und schlug Schneisen in meinen Gerätewald. Nicht einmal während des mahnenden Vortrags über Grundlagen der Hochfrequenztechnik, den mir meine Wunderwaffe einbrachte, hielt Franz inne. Das Peinlichste aber war, dass der Super-Stick tatsächlich Superspeed lieferte, nachdem Franz meine tolle Verkabelung restlos entfernt und ihn direkt angesteckt hatte.
Auf meine Frage, warum es all die Kabel und Adapter denn zu kaufen gebe, wenn sie nicht zuverlässig funktionierten, meinte er übrigens nur trocken: "Um an Bastlern wie dir Geld zu verdienen." Er blickt durch, das muss man ihm lassen. (bbe)