Dauersitzung: Hondas Elektrorollhocker Uni-Cub

Wer einen Uni-Cub fährt, muss nur noch bei dringenden Angelegenheiten aufstehen

Tokio, 31. Mai 2012 – Das Ding sieht jetzt immerhin solide aus, was man vom Vorgänger U3-X nur bedingt sagen konnte. Der erste Honda-Entwurf glich eher einer Flugbrezel, der neue Uni-Cub wirkt schon erheblich wichtiger. Der Name Cub hat übrigens Tradition bei Honda: So hieß die Kreuzung aus Roller und Moped, die über Jahrzehnte weltweit erfolgreich verkauft wurde und zumindest in Asien einen ähnlichen Kultstatus genießen dürfte wie die Vespa in Europa.

Neigungssache

In gewisser Weise sind U3-X und Uni-Cub auch schwer retro: Ersterer ist gewissermaßen der Zweizeller unter den Fahrzeugen, Letzterer steht kurz vor dem evolutionären Sprung vom Barhocker zum Fahrzeug. Womöglich kommen die noch auf die Idee, ein richtig großes zweites Rad und einen Lenker dranzuschrauben. Das wäre schade, denn dann bräuchte man die Honda-eigene Gleichgewichtssteuerung und das in alle Richtungen fahrende Radsystem (Honda Omni Traction Drive System) nicht mehr. Mit Hilfe dieser Technologien kann der Fahrer durch bloße Gewichtsverlagerung die Geschwindigkeit regeln, sich in alle Richtungen bewegen, wenden und stoppen – ein bisschen wie bei einem Segway, aber halt im Sitzen.

Die Gleichgewichtssteuerungstechnik entstammt der Honda Robotics-Forschung. Aus ihr ist auch der Roboter Asimo hervorgegangen. Ziel des Uni-Cub ist es laut Honda, immer mehr Menschen Freude an der Bewegungsfreiheit zu bieten und sie mobil zu halten. Die Damen auf den Bildern gehören allerdings sicherlich nicht zu der avisierten Zielgruppe, eher schon älteren Menschen und vor allem passionierte Faulenzer, die ihren Bürostuhl möglichst selten verlassen wollen – was praktisch veranlagte Designer fast zwangsläufig zu der Frage führen muss, wie sich auch die letzten Anlässe zum Aufstehen umschiffen lassen.

Menschenfreund

Ab Juni 2012 führt Honda in Zusammenarbeit mit dem National Museum of Emerging Science and Innovation in Japan Testläufe mit dem UNI-CUB durch. Dabei soll nicht nur die Einsatzfähigkeit des UNI-CUB in Innenräumen, sondern auch die praktische Anwendung in unterschiedlichsten Umgebungen und in verschiedenen Ländern getestet werden. Einzige Voraussetzung für die Funktion sind "barrierefreie" Räume, denn die kleinen Räder und die letztlich nicht triviale Gleichgewichtssteuerung erfordern eine sehr ebene Fläche und auch Stufen können nicht überwunden werden. Im Rahmen seiner Möglichkeiten kann der Uni-Cub aber eine ganze Menge: So kann es sich praktisch in alle Richtungen bewegen und sogar auf der Stelle wenden, das kleine Hinterrad macht es möglich. Weil das System auch "die Umgebung des Fahrers wahrnimmt", kann es sogar quasi Hand in Hand mit einem Begleiter gehen.

Honda hat sich allerlei Szenarien einfallen lassen, in denen der 6 km/h schnelle Uni-Cub eingesetzt werden könnte, dazu gehören Büros, Flughäfen oder Bibliotheken. Wer als Zielgruppe vorgesehen ist, bleibt aber etwas unklar. Das hat man aber auch einmal beim Auto gedacht.

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